Interview PussyPalast

Label-Seite: www.auflegware.de

Nichts ist so beständig wie die Veränderung – wahre Worte. Fast sommerliche Temperaturen machen mitten im normalerweise eisigen Januar massiv Werbung für den Treibhauseffekt. Doch nicht nur das Klima wandelt sich: Im Herzen Berlin-Kreuzbergs trafen wir Jan Kose (JK) und Mathis Johnsen (MJ) von “PussyPalast” zum possierlichen Plausch über Pläne, Platten und Projekte – und schnell wird klar, dass auch die Electro-Musik-Szene vor profunden Umwälzungen steht. (15.01.2007)

DJ-Basis: Es ist keine neue Weisheit, aber es ist so: Im Anfang war der Klang und nichts ist so beständig wie die Veränderung – vor allem die musikalische. Wo liegen denn eure musikalischen Wurzeln? Was waren Eure ersten Berührungspunkte mit dem Medium Musik?

JK: Melodien und Klänge spielten für mich immer schon eine große Rolle. Den ersten Kontakt in Richtung elektronische Musik hatte ich durch meinen ersten Computer. Es war ein alter Atari, dem man – für die damalige Zeit – eine Menge grandioser 8-Bit Klänge entlocken konnte.

MJ: Nun, ich lauschte zunächst den Klängen meiner 5 Jahre älteren Schwester, dadurch kam ich bereits mit ca 7 Jahren in Kontakt mit relativ dunklen Klängen wie The Cure oder Philip Boa in Berührung. Am meisten aber faszinierten mich der elektronische Sound von Depeche Mode , Erasure und Yazoo. Als ich mein eigenes Radio bekam, fand ich schnell die Liebe zum Ostjugendradio DT64. Die Sendung hieß “Electroniks” mit Musik von Kraftwerk, Klaus Schulze oder Tangerin Dream. Dann kam die Wende und es erschlossen sich völlig neue Welten und auch für mich öffnete sich die Welt der Clubsounds. Die ersten Erfahrungen mit Techno machte ich mit Acidhouse Tracks – auch hier war DT64 wieder eine wichtige Quelle. Doch auch die Klänge aus meinem damaligen Homecomputer C64 waren für mich eine neue Dimension und so bildete sich der Gedanke selbst einmal so etwas zu produzieren.

JK: Genau, die wohl beeindruckendste Erfahrung, wie mächtig die Wirkung von Musik doch sein kann, habe ich auf der Loveparade in Berlin gemacht: Tausende Leute bewegen sich zum selben Beat und umtanzen die Siegessäule als wäre es eine Heiligtum – einfach unglaublich!

DJ-Basis: Ihr seid ja schon ein paar Mal aufgetreten. Wo kann man euch denn das nächste Mal antreffen?

MJ: Im Moment sind wir an einigen Auftritten bei Veranstaltern in Thüringen dran, konkret ist da auch die Zusammenarbeit mit dem Webportal Erfurt.Eins zu nennen. Hier werden wir zur Portal-Eröffnungsparty sicher am Start sein. Außerdem ist die donnerstags Partyreihe After Work Lounge in Erfurt geplant, bei denen wir auch zu sehen sind. Parallel dazu gibt es Liveautritte im Radio.

DJ-Basis: Welche Releases sind als nächstes geplant? Erscheint denn bald ein neues Release von euch?

JK: Das nächste Release wird Mitte Februar erscheinen. Es handelt sich dabei wieder um eine PussyPalast-Veröffentlichung. Dazu sind zwei Tracks geplant, sowie ein Live-Mix, in dem wir wie auch schon bei “Gehirnspende”, die Tracks in einem Set zum Besten geben werden. Also lasst Euch überraschen.

DJ-Basis: Habt ihr gute Vorsätze fürs neue Jahr? – O.K., war nur Spaß. Also gibt es schon feste Pläne für 2007? Was sind eure Ziele? Wie sehen die weiteren Pläne für das Label aus?

MJ: Wichtigstes Ziel für uns in 2007 ist unser Label Auflegware nach vor zu bringen. Dabei sind auch Veröffentlichungen von talentierten Künstlern aus dem Raum Thüringen und Hamburg geplant. Höchstwahrscheinlich gibt es auch mindestens ein PussyPalast Vinylrelease. Aber auch von mir wird es ein Solo-Release geben welches schon fast fertig und die Auflegware 003 sein wird. Die EP soll Nachtschichtgerät heißen und es wird da eher in die Richtung Deep-Minimal gehen.

JK: Im nächsten Jahr planen wir, wie Mathis schon angekündigt, wieder einige Releases. Wir versuchen aber auch neue Artists für unser zu Label zu begeistern. Diese sollten aus den Bereichen Minimal-Electro / Electro produzieren und/oder selber auflegen. Mehr Infos gibt’s übrigens unter www.auflegware.de.

MJ: Außerdem streben wir verschiedene Label-Kooperationen an. Nun, wir lassen uns da einfach überraschen, was auf uns zukommt.

DJ-Basis: Schauen wir ein wenig in die Vergangenheit: Was war denn eure erste eigene Platte?

JK: Meine erste richtige Schallplatte erstand ich im Ausverkauf eines Supermarktes. Erstaunlicherweise gab es da Vinyls zu kaufen – und die letzte bekam ich: R.M.B. – Break the Silence.

MJ: Ich fuhr mit meinen Eltern das erste mal über die deutsch deutsche Grenze, stürmte in den nächsten Plattenladen und kaufte mir drei Depeche Mode LP’s: Broken Frame, Speak and Spell und Some Great Reward.

DJ-Basis: Eure musikalische Entwicklung ist also auch von diversen Richtungen beeinflusst worden. Was sind konkret die musikalischen Vorbilder?

MJ: Tja da steht natürlich Depeche Mode und Kraftwerk an erster Stelle, bei den modernen Künstlern sind da Stefan Bodzin, DJ Hell ganz vorne mit dabei. Als DJ fasziniert mich Ricardo Villalobos am Meisten.

JK (überlegt kurz): Als Neu-Hamburger finde ich die Musik von Kid Alex oder die Jungs von Moonbootica natürlich klasse. Als wahres Vorbild sehe ich allerdings jemand anderen: Die letzten 17 Jahre hindurch begleiteten mich die Songs von The Cure – gar nicht elektronisch dafür aber Old School Rock – einfach gut.

DJ-Basis: Bei eurem letzten Release springt einem sofort der eigenwillige Titel ins Auge. Was soll “Die Gehirnspende” ausdrücken und worum geht es dabei?

JK: Das musikalische Thema für die Release gab es schon ein paar Monate vorher. Dieser lief unter dem Namen “Eject your Brain” und wurde damals von mir als Solo-Projekt vorgestellt. Wir entschieden uns den Track erneut aufzuarbeiten. Dadurch entstanden 2 Varianten ‘Vom Kopf zur Nadel’-Mix und der ‘Un-Eins’-Mix die kennt ihr ja!
Musik entsteht als reine Kopfsache. Dabei “spendet” jeder gewissermaßen einen Teil seiner Gedanken oder seines Gehirns und setzt sich mit einer Melodie auseinander. Der daraus resultierende Track ist somit ein ganz persönlicher Teil von uns, also irgendwie eine Gehirnspende – von uns an Euch!

MJ: Gehirnspende hat für mich zwei Bedeutungen. Zunächst mal steht die Frage für unser erstes Release. Diese beschäftigt uns was und wie man aus seinem Kopf Dinge nach draußen bekommt – und wie man sie musikalisch ausdrücken kann. Weiterhin steht “Gehirnspende” für mich auch sozusagen für die Synergie zweier Musiker: der Eine arrangiert einen Track und der Andere versucht ihn für sich zu interpretieren – Ist irgendwie so eine Art Gehirnspenden.

DJ-Basis: Klingt nach viel Kopf-Arbeit. An welchen neuralgischen Punkten trifft man Euch denn, wenn Ihr mal keine Platten dreht oder im Studio sitzt?

MJ: Der Ausgleich ist für mich der Sport, ich spiele gern Fussball oder laufe mal ein paar Kilometer oder fahre Rad. Die wichtigste Inspiration ist seit ein paar Wochen aber auch mein Sohn. Er bescherte mir eine noch viel konzentriertere Arbeit als vorher. Außerdem liebe ich die Natur, welche ebenfalls eine große Inspiration für mich ist.

JK: Auf dem Basketball-Court oder wieder mal unterwegs im Auto bei einer Mitfahrgelegenheit von Hamburg nach Jena.

DJ-Basis: Ihr beide führt also eine kreative Fernbeziehung. Wie arbeitet man effektiv auf so große Entfernung zusammen?

JK (lacht): Die modernen Medien machen’s möglich! Im Ernst: das klappt doch recht gut. Wir tauschen wöchentlich unsere musikalischen Gedanken aus. Dabei entsteht meist eine Art Preview der produzierten Tracks. Diese stimmen wir gegenseitig ab, machen Verbesserungs-vorschläge, sortieren aus usw. Also eigentlich ein ganz normaler Arbeitsablauf.

MJ: Und zwar elektronisch und per Gehirnspende! Nee, das klappt schon! Jan sagte es schon: zum Glück gibt es so moderne Medien wie Messenger, E-Mail oder Telefon, die jeden von uns beiden in die Lage versetzen, eigenständig zu arbeiten. Und das ist auch gut so! Aber wie heißt es doch so schön: “Getrennt marschieren – vereint losschlagen!” Selbstverständlich funktionieren wir auch nur zusammen als “PussyPalast”!

Vielen Dank für das nette Gespräch! Wenn es am Schönsten ist, soll man bekanntlich aufhören. Gesagt getan – die Beiden fahren nun wieder gen Süden ins idyllische Thüringen, um weiter an Ihren Sounds zu tüfteln. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und sagen bis bald…

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