Konzertbericht OMD und Crystal Castles – Hamburg 19. und 23. November 2010

27. November 2010  •  Musik News

Toll! Ich fühle mich umgeben von elektronischer Musik, die unterschiedlicher nicht sein kann. Einmal brachiales „Bum Bum Bum“ mit wilden Lichteffekten, dann wieder der fröhlich klingende Synthesizer. Links und rechts von mir springen die Leute umher und tanzen zu rasiermesserscharfen Rhythmen. Man muss aufpassen, nicht zu dicht an den Lautsprechern zu stehen. Andernfalls ist am Tag danach Tinnitus angesagt.

OMD im Docks Club

Klingt wie ein wirrer Traum? Ist es aber nicht. Die Bands OMD und Crystal Castles (siehe Foto) haben in den letzten Tagen ihre Konzerte in Hamburg gegeben. Wie es war, gibt es hier in den beiden Konzertberichten zu lesen.

Crystal Castles

Die Band um Andy McCluskey und Paul Humphreys gibt es immer noch. OMD steht für Orchestral Manoeuvres in the Dark und wurde 1978 in Liverpool/England gegründet. 2006 kam das große Comeback der Synthie-Pop Legenden. Am 19.11.2010 spielten sie im Docks Club Hamburg. Los ging das Ganze um 19 Uhr – und sie waren pünktlich. Überpünktlich waren allerdings die Fans vor Ort. Der Docks Club war voll bis unter die Decke. Dicht an dicht drängten sich junggebliebene Mitte 50er und schnöselige 40ig-jährige Richtung Bühne. Ein Durchkommen war hier nicht mehr möglich. Jeder wollte die Show sehen. OMD legten mit ein paar Klassikern los. Auch von ihrer neuen Platte „History of Modern“ gab es einige Stücke zu hören. Viele der Zuschauer mussten die hinteren Plätze dicht an der Bar in Kauf nehmen. Für den Biernachschub war also gesorgt.

Die wunderbaren Lichteffekte versteckten allerdings nicht einen etwas müde gewordenen Frontmann McCluskey. Nach einer Stunde musste er verschnaufen und es sich auf dem Bühnenrand bequem machen. Zwei durchgeschwitzte Hemden und 20 Minuten später, kam der letzte Song des Abends. OMD verabschiedete sich Richtung Backstage. Schade, denn die Zeit verging viel zu schnell, aber Spaß hat es gemacht und die 45 Euro war es auf jeden Fall wert.

Crystal Castles im Übel und Gefährlich

Heftig und laut passt als Beschreibung eigentlich schon ganz gut. Ethan Kath und Alice Glass sind zusammen Crystal Castles. Sie stehen in ihrer Bandgeschichte da, wo OMD vor 25 Jahren waren – in ihren Anfängen. Nicht weniger erfolgreich und nicht weniger innovativ.

Langsam füllte sich der Club Übel und Gefährlich. Der massive Stahlbetonbuncker an der Feldstraße bietet ein perfektes Ambiente für elektronische Musik. Die ersten Fans standen am 23. November schon lange vor dem offiziellen Einlaß um 20:00 Uhr da. Nach und nach füllte sich der Club. Kurz nach 22 Uhr war dann Spielbeginn. Ohrenbetäubende Geräusche trafen auf den Zuhörer. Langsam entwickelten sich Beats und dann krachte es. Wer hier noch stillstehen konnte, war entweder (schon) taub oder zwischen Vorder- und Hintermann eingeklemmt. Die Lichteffekte wurden geschickt eingesetzt. So gab es zwischen den Songs sehr oft reine Dunkelpausen. Während der Songs blitzen rote und blaue LEDs.

Die Musik der Crystal Castles liebt man oder hasst man. Es ist eine Mischung aus Elektro, Rave und Punk – verfeinert mit einer schrillen Gesangsstimme. Und so gestaltete sich auch das Konzert. Sängerin Alice schrie was das Zeug hielt und tanzte sich in Rage. Produzent Ethan hingegen war eher der Fels in der Brandung und versteckte sich entspannt unter seinem Kapuzenpulli. Wer aussergewöhnliche Konzerte mag, wird dieses lieben.

Foto: djbasis.de

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